16.01.2017 / Allgemein / /

News aus der Gemeinde Allschwil

Die Gratis-Wahlhilfe für Junge soll nun doch definitiv eingeführt werden, sagt der Gemeinderat – umstimmen konnte ihn eine Umfrage.

Noch vor zwei Jahren wollte der Allschwiler Gemeinderat nichts wissen von Easyvote. Die Idee, Jugendlichen jeweils zusätzlich eine separate Wahlhilfe abzugeben, sei nicht weiter zu verfolgen, denn es bestehe ein «fragliches Kosten-Nutzen-Verhältnis». Jetzt ist aber alles anders.

Angebote aus ihrer Region

«Wir haben im Gemeinderat beschlossen, dass wir die Zusammenarbeit mit Easyvote fortsetzen möchten», sagt die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) auf Anfrage. «Wir werden nun dem Einwohnerrat einen entsprechenden Antrag unterbreiten.»

Schon in den vergangenen zwei Jahren haben in Allschwil die stimmberechtigten 18- bis 25-Jährigen die in einfacher Sprache gehaltenen Wahlunterlagen von Easyvote erhalten, im Rahmen eines Pilotversuchs. Beschlossen hatte diesen der Einwohnerrat im Jahr 2013 – gegen den Willen des Gemeinderats, der die Kosten scheute.

Zum Umdenken geführt hat nun eine Umfrage. Die Ergebnisse sind seit Kurzem auf der Gemeindewebseite aufgeschaltet. Im September schrieb die Gemeinde 1148 Jungwähler an und bat sie, an einer Umfrage zu Easyvote teilzunehmen. 103 der Angeschriebenen füllten den Online-Fragebogen aus. Von diesen antworteten 46 (44,7 Prozent), dass sie wegen der Easyvote-Broschüren häufiger an Wahlen und Abstimmungen teilgenommen hätten. Fast 60 Prozent der Befragten bezeichneten die erhaltenen Informationen als stets «gut verständlich»; 83,5 Prozent waren der Ansicht, die Gemeinde solle ihnen das Material weiterhin gratis zustellen.

Eine Einschränkung wird es aber wohl beim Nutzerkreis geben. Gemäss Nüssli will man die Broschüren künftig «nur» noch an die 18- bis 23-Jährigen schicken: «Wir sind der Meinung, dass dieser Zeitraum genügt.» Das wird die Kosten etwas senken. 2015 stellte Allschwil 6250 Franken ein für die jugendgerechten Drucksachen, aufgeteilt auf vier Abstimmungssonntage.

Politisierung am Küchentisch

Hinter Easyvote steht der Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ). Engagierte Jugendliche erläutern jeweils aktuelle Abstimmungsvorlagen, politisch neutral, also ohne Empfehlung. Die Drucksachen sind attraktiv aufgemacht und sollen potenzielle Jungwähler ansprechen. Deren tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung zu steigern, das ist das Ziel der Jugendparlamentarier.

2013 brachte Easyvote die erste Broschüre zu einer kantonalen Vorlage im Baselbiet heraus. Es handelte sich um die Transparenz-Initiative. Gegenwärtig machen 14 Baselbieter Gemeinden bei Easyvote mit, im Schwarzbubenland sind es sieben Gemeinden, im Fricktal sechs, im Stadtkanton eine (Riehen).

Easyvote setzt, neben Filmen und dergleichen, bewusst auf Drucksachen – obwohl sich gerade Junge gerne online und über soziale Medien informieren. «Wir haben bemerkt, dass die politische Meinungsbildung immer noch stark innerhalb der Familie stattfindet», sagt Flavio Bundi vom DSJ. «Wenn nun die Broschüren auf dem Küchentisch liegt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Jugendlichen mit den Eltern, aber auch mit den Geschwistern über politische Themen unterhalten. Dieser Austausch ist wertvoll.»